Dies ist ein Auszug aus dem Buch einer Frau die ein halbes Jahrhundert praktisch blind war ; Borghild Dahl.

"Ich hatte nur ein Auge" , schreibt sie,"und das war mit so vielen Narben bedeckt, dass ich nur durch einen engen Spalt in der linken Seite sehen konnte.Ich konnte zum Beispiel ein Buch nur lesen,wenn ich es mir nahe ans Gesicht hielt  und so weit wie möglich mit meinem einen Auge nach links schielte."

Doch sie wollte kein Mitleid,sie wollte nicht als Ausnahme gelten.

Als Kind hätte sie mit den anderen Kindern gern Himmel und Hölle gespielt,doch sie konnte die Striche nicht erkennen. Als einmal die anderen Kinder schon nach Hause gegangen waren,kroch sie auf Händen und Füssen an den Strichen entlang, das Gesicht dicht am Boden.Sie prägte sich jede Unebenheit, jedes besondere Merkmal genau ein und hüpfte bald ebenso geschickt von Kästchen zu Kästchen wie ihre Spielkameraden auch.Sie machte ihre Leseübungen zu Hause und hielt sich das grossgedruckte Buch so dicht vor die Nase, dass ihre Wimpern die Seiten berührten.Sie studierte Literatur in Minnesota und an der Columbia Universität und machte dort auch ihr Examen.

 

In einem winzigen Ort in Minnesota fing sie als Lehrerin an und wurde später Proffessorin für Journalismus und Literatur an einem College.Sie lehrte 13 Jahre lang ,sprach in Frauenklubs und im Radio über Bücher und Schriftsteller.

"In meinem Hinterkopf", schreibt sie, "lauerte die ständige Angst , blind zu werden. Um dagegen anzukämpfen,hatte ich mir eine heitere,fast vergnügte Art,das Leben zu betrachten angewöhnt."

Dann , als sie 52 Jahre alt war,geschah ein Wunder : Durch eine Operation  in der berühmten Mayo - Klinik konnte sie vierzig mal besser sehen,als sie je gesehen hatte.

 

Eine neue,faszinierend schöne Welt tat sich vor ihr auf.Sogar das Abwaschen in der Küche war aufregend. " Ich fange an mit dem leichten,weissen Schaum im Topf zu spielen" , schreibt sie. " Ich tauche meine Hände hinein und hebe eine Kugel von winzigen Seifenblasen heraus. Ich halte sie gegen das Licht, und in jeder winzigen Seifenblase erkenne ich die Farben eines winzigen Regenbogens."

Als sie aus dem Fenster über dem Spülbecken in der  Küche sah,beobachtete sie die " flatternden grauschwarzen Flügel der Spatzen, die durch den dicken fallenden Schnee fliegen."

Sie war so ausser sich vor Entzücken über die schillernden Seifenblasen und die Spatzen vor dem Fenster, dass sie ihr Buch mit den folgenden Worten schloss

" < Mein Gott>, flüsterte ich, <Vater im Himmel,ich danke dir,ich danke dir !> "

Stellt Euch vor,Ihr würdet Gott danken, weil Ihr abwaschen könnt und Regenbogen in Seifenblasen seht und Spatzen die durch den Schnee fliegen!

Wir sollten uns schämen! Alle Tage unseres Lebens ,haben wir in einem Feenreich der Schönheit gelebt,doch wir waren zu blind um es zu sehen,zu übersättigt,um uns daran zu erfreuen.

            Zähle die Geschenke,nicht die Sorgen und Probleme.